277: Jetzt wird's bitter – Warum der Hype um Bitterstoffe übertrieben ist – Zu Gast: Dr. Maik Behrens (ISS SO Classics)
Shownotes
Bitterstoffe sind derzeit so gefragt wie nie. Ist das alles nur ein Mythos? Was bringen Tropfen und Sprays wirklich? Und können Bitterstoffe uns beim Abnehmen helfen? Mit Dr. Maik Behrens haben wir einen der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet eingeladen. Gemeinsam mit ihm klären Achim und Julia in dieser Folge, was es mit dem Hype um Bitterstoffe auf sich hat.
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00:00:02: Ist
00:00:02: so der Ernährungspodcast
00:00:05: mit Achim Sam und Julia Rohrmosa.
00:00:17: Halli, hallo und herzlich willkommen.
00:00:20: Ihr hört ist so den Ernährungspodcast mit dem Ernährungswissenschaftler Achim Sam
00:00:24: und mit der Julia Rohrmosa.
00:00:27: Ja, und bevor wir starten, ich lag erst ein Abend noch im Bett.
00:00:29: So, dann dachte ich, bevor ich Schäfchen zähle, weil ich konnte einfach nicht einschlafen, dachte ich, ich gehe mal auf unsere ganzen Rezensionen.
00:00:36: Und ich muss sagen, mir ist da echt das Herz aufgegangen bei einigen Kommentaren.
00:00:38: Ich weiß nicht, ob du das auch mal durchschlefen
00:00:40: hast.
00:00:40: Komisch, das mache
00:00:41: ich auch,
00:00:42: wenn ich ... Aber zum Glück kann man dann immer besser schlafen.
00:00:47: Ja.
00:00:47: Also ich habe auf jeden Fall keine Eidräume gehabt, sondern mir ist tatsächlich das Herz aufgegangen.
00:00:51: Ich würde gerne mal so eine nette Rezension vorlesen.
00:00:53: Vielleicht können unsere Hörer dann auch gut einschlafen.
00:00:56: In diesem Podcast habe ich schon mehr über Ernährung gelernt als in meinen achtundzwanzig Lebensjahren.
00:01:00: Danke Achim und Julia für euren Einsatz.
00:01:02: Die Foodtags-Folge ist bislang mein absolutes Highlight schreibt.
00:01:05: Ich hoffe, dass sie mehr oder eher mehr über Ernährung gelernt hat und nicht über andere Dinge irgendwie in dem ganzen Leben.
00:01:11: Aber vielen Dank.
00:01:12: Es freut mich sehr und lässt uns quasi besser schlafen.
00:01:14: Ja,
00:01:15: muss ich auch sagen.
00:01:16: Also vielen, vielen Dank.
00:01:17: Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ihr da so nette Sachen hinschreibt.
00:01:20: Also, falls ihr uns noch nicht bewertet habt, dann lasst gerne auch so eine nette Bewertung bei Apple Podcasts, da wir freuen uns jedes Mal sehr, sehr, sehr doll drüber.
00:01:28: So, aber jetzt erst mal zurück zum Thema Arim, denn unsere heutige Folge wird nicht süß, sondern eher bitter für uns alle.
00:01:35: Denn wenn gerade etwas gehypt wird oder gerade in aller Munde ist, dann sind es ja wohl die Bitterstoffe.
00:01:45: Ja, genau.
00:01:45: Und die bittere Wahrheit ist, dass ich gerade am Thema Bitterstoffe beinahe verbittert bin.
00:01:51: Denn merkwürdigerweise liest man fast ausschließlich süße Stimmen und Studien zum Thema.
00:01:56: ungewöhnlich, weil gewöhnlich gibt es in der Biochemie der Medizin und in der Ernährungswissenschaft immer ein Führer und ein Wider.
00:02:03: Oder wie der Pharmakologe Gustav Kuschinski mal gesagt hat, wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkung zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat.
00:02:12: Kurzum keine Wirkung ohne Nebenwirkung.
00:02:16: Wenn man Bitterstoffe da quasi, wenn die eine Ausnahme sein sollten oder ausschließlich Gutes bewirken und völlig unbedenklich sind, hey, da habe ich überhaupt nichts dagegen, dann wäre ich der erste, der sagt, butter bei die Bitterstoffe und rein damit.
00:02:29: Aber bei allem Beifall für Bitterstoffe bleibt bei mir unterm Strich immer die Frage, hat es nicht doch vielleicht einen Grund, warum wir eine Abneigung gegen Bitteres haben.
00:02:39: Also ist dieses Bitter ist bäh, nicht eine Art natürlicher Schutzmechanismus, der uns warnt, hey, das ist Gift, machen wir halb lang.
00:02:48: Und ist die anregende Wirkung von Bitterstoffen auf unsere Organe, wie beispielsweise auf den Darm, Verdauung, sagt die Leber, nicht vielleicht auch in der evolutionsbedingten und überlebenswichtige Aktivierung unseres Organismus, um die Nahrungskifte schnell wieder loszuwerden, die wir vermeintlich gegessen haben.
00:03:04: Auf diese Fragen habe ich einfach keinen Keine hieb- und stichfesten Antworten gefunden und deshalb habe ich einen Mann eingeladen, der die bitterer Wahrheit kennt wie kein anderer.
00:03:13: Er ist einer der führenden Forscher im Bereich molekulare Neurobiologie mit dem Schwerpunkt Geschmackswahrnehmung.
00:03:19: Herzlich willkommen, Dr.
00:03:21: Mike Behrens vom Leibniz-Institut für Lebensmittelsystembiologie an der TU München.
00:03:27: Lieber Mike, schön, dass du heute bei uns bist.
00:03:29: Ja, hallo, freut mich.
00:03:32: Aber mal von Anfang an, Bitterstoffe haben eine lange Vorgeschichte, wurden ja vor über fünftausend Jahren schon in der ayurvedischen Medizin oder in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, später dann von Hippocrates, Hildegard von Bingen, Paracelsus, Urbahn, Hierne mit seinem Schwedendrunk.
00:03:47: und dazwischen liegen ja Jahrhunderte, Jahrtausende von Wissenschaft und Forschung, haben die Bitterstoffe heute den Haib eigentlich verdient, so nach dem Motto, das muss ja gut sein, ist schon lange erprobt, so nach dem Motto, was lange währt, ja, muss auch gut sein.
00:04:03: Ja, also tatsächlich dient unser Bittergeschmack tatsächlich der Warnung vor eventuell giftigen Bitterstoffen.
00:04:12: Das ist die evolutionäre Aufgabe dieses Geschmacksins und deswegen wäre es also sicherlich falsch davon auszugehen, dass nun gerade Bitterstoffe besonders gesundheitsförderlich sind.
00:04:26: Es mag einzelne Bitterstoffe geben, die nicht giftig sind.
00:04:31: Es gibt auch einige, die gesundheitsförderlich sind, aber es gibt eben sehr viele sehr giftige Bitterstoffe.
00:04:38: Bestes Beispiel kennt jeder aus Kriminal-Roman, ist das Strichnien.
00:04:43: Das ist mit Sicherheit nichts, was man zu sich nehmen sollte.
00:04:49: Okay, du hast ja gesagt, dass es nicht so gute Bitterstoffe gibt, aber gibt es dann auch gesunde Bitterstoffe, die wir zu uns nehmen sollten?
00:04:57: Ja, es gibt Lebensmittel, die Bitterstoffe beinhalten und sicherlich ist das gesamte Lebensmittel zum Teil eben auch inklusive des Bitterstoffes gesundheitsförderlich zu nennen, wenn wir über sagen wir mal sowas wie Polyphenole sprechen, die ... eine antioxidative Wirkung haben, wenn wir über zum Beispiel Kohlsorten sprechen, dann gibt es sicherlich auch dort Bitterstoffe, die zumindest nicht schädlich sind und wo das Gesamtlebensmittel eher als gesundheitsförderlich eingestuft werden müsste.
00:05:35: Also im Prinzip sind es dann die sekundären Pflanzenstoffe oder zum Großteil, was du gerade gesagt hast.
00:05:42: Aber gibt es da auch so eine Reaktion oder beziehungsweise, wie wirken denn die überhaupt?
00:05:47: Also die Bitterstoffe geben die das Signal, hier kommt was Bitteres, vermeintlich was Giftiges, aktiviert den Organismus über die Rezeptoren.
00:05:58: oder was weiß man da heute eigentlich so in der Wissenschaft, wie Bitterstoffe überhaupt wirken?
00:06:03: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich, je nachdem, welche Bitterstoffe oder von welchen Bitterstoffen wir sprechen.
00:06:10: Wir haben ja in unserer Mundhöhle, twenty-fünf, bitter Rezeptoren.
00:06:14: Das heißt, alles, was diese Rezeptoren aktiviert, schmeckt uns bitter.
00:06:19: Diese Rezeptoren, die haben wir nicht nur im Mund, sondern die haben wir auch im Magen-Darm-Trakt, im Atmungssystem, selbst im Gehirn und im Herzen.
00:06:30: Und da kommt es dann sehr darauf an, welcher Bitterstoff mit welchem Rezeptor interagiert.
00:06:36: Da ist nicht mehr alles gleich.
00:06:38: Und die Wirkung der Bitterstoffe, die können eben von positiven Einflüssen auf zum Beispiel den Blutzuckerspiegel gehen bis hin zu Durchfall oder gar noch schlimmeren Aktivitäten.
00:06:54: Das kommt dann wirklich sehr drauf an, welcher Bitterstoff auf welchen Rezeptor in welchem Teil des Körpers trifft.
00:07:01: Und da ist sehr vieles noch sehr viel schlechter erforscht als auf unserer Zunge.
00:07:07: Dafür wissen wir genau.
00:07:09: Einer der fünfundzwanzig Rezeptoren muss immer Schuld daran sein, dass wir bitter schmecken.
00:07:15: Ja, also ich habe in meinen Recherchen da wirklich keine Lösung oder keine Antwort gefunden, meine Verkopplung sozusagen im Kopf war, wenn ich Rezeptoren auf der Zunge habe und die interagieren mit anderen Rezeptoren beispielsweise im Verdauungsdrakt oder auch mit Erleber.
00:07:33: dass sie das Signal geben, oh, hier kommt was Bitteres.
00:07:35: Achtung, kann giftig sein und gibt das Signal zur Aktivierung.
00:07:41: Oder weiß man da, wer diesem Mechanismen bescheid, warum es zur Aktivierung kommt, beispielsweise der Verdauung oder der Sekretion, also der Magensäfte und so weiter, hat das quasi eine ausspülende, lebenserhaltende Funktion?
00:07:56: oder ist das, wie sind diese Signalwege?
00:07:59: Das war mir tatsächlich nicht so richtig rauszulesen aus.
00:08:02: aus allem, was ich da in mich rein gebittert habe.
00:08:07: Ja, also das ist wie gesagt ein sehr komplexes Feld, das auch eigentlich erst begonnen wird, richtig erforscht zu werden.
00:08:16: Aber zum Beispiel weiß man für Bitterstoffe aus dem Kaffee, die schmecken uns ja im Mund bitter und die haben Einflüsse auf die Magensäuresekretion.
00:08:29: Magensäure ist ja etwas, was uns bei der Verdauung hilft, aber es ist natürlich auch etwas, was letztendlich einen Einfluss zum Beispiel auf mit der Nahrung aufgenommene Mikroorganismen hätte oder irgendwelche giftigen Proteine, die werden natürlich durch die Magensäure auch zerstört.
00:08:51: und so könnte man vielleicht mutmaßen, dass das Ganze einen Sinn hat, nämlich uns vorzubereiten auf etwas potenziell nicht ganz so gesundheitsförderliches.
00:09:03: Ja, was mich noch interessieren würde, also warum wären denn diese Bitterstoff überhaupt so gehypt?
00:09:07: Weil ich habe ganz viele Freunde, die dem da irgendwelche Bitterstoff pillen oder tropfen zu sich, weil es irgendwelche positiven Wirkungen auf den Körper haben soll.
00:09:15: Was ist denn dran an diesen Pillen oder an diesen Tropfen?
00:09:17: Ja, also einzelne Wirkungen sind mit Sicherheit auch positiv.
00:09:21: Aber man sollte sich vergewissern, dass die fünf Grundgeschmacksqualitäten, die wir wahrnehmen, also Süß, Sauer, Umami, das ist der Geschmack von Blutaminsäure.
00:09:36: Salzig und Bitter haben immer bestimmte Funktionen für unseren Körper.
00:09:43: Zum Beispiel Süß und Umami, die zeigen uns Energie an.
00:09:47: Deswegen sind sie auch grundsätzlich positiv im Verlauf der Evolution für uns gewesen.
00:09:53: Weil wir mussten früher Energie sehr verzweifelt und mit viel Aufwand suchen.
00:09:59: Und unser Geschmackssinn hat uns halt geholfen, das auch zu finden.
00:10:04: Salz ist wichtig für unser Elektrolythaus halt.
00:10:09: Und Sauert zeigt uns praktisch unreife Früchte oder eventuell auch verdorbene Lebensmittel an.
00:10:17: und bitter war eben der Hinweis darauf vorsichtig es könnte sich um etwas giftiges handeln.
00:10:23: ganz einfach weil sehr viele bitterstoffe die man in der natur findet tatsächlich bis zu einem gewissen gerade giftig sind.
00:10:32: das gilt nicht für alle ja es gibt eben auch bitterstoffe die kennen wir auch sehr lange eben die die in Kohlsorten zum Beispiel vorhanden sind, die in Chikori vorhanden sind.
00:10:45: Da haben wir auch eine sehr lange Erfahrung, dass uns diese Lebensmittel nicht schaden.
00:10:51: Aber grundsätzlich gedacht von der Evolution her war, der Bitter sind tatsächlich Vorsicht, diese Nahrung könnte unter Umständen giftig sein.
00:11:02: Also das, okay, unter Umständen, also das heißt nicht bitter, gleich.
00:11:06: toxisch in einer gewissen Art und Weise, sondern unser Organismus macht da keine Unterscheidung.
00:11:12: Er sagt nur, Achtung, könnte giftig sein.
00:11:15: Und bestimmte Bitterstoffe oder sekundäre Pflanzenstoffe beispielsweise haben dann aber eine positive Wirkung oder eine gesundheitsfördernde Wirkung.
00:11:24: Und manche haben es dann eben nicht.
00:11:26: Naja, das müssen wir lernen.
00:11:28: Also, was ich eben gesagt habe, das gilt insbesondere für Kleinkinder.
00:11:34: Kleinkinder.
00:11:35: lieben süß, das ist angeboren und hassen bitter.
00:11:41: Und im Verlauf unseres Lebens lernen wir halt, dass gewisse bittere Lebensmittel nicht schädlich für uns sind, sondern sogar positive Auswirkungen haben.
00:11:52: Zum Beispiel Kaffe macht uns wach, dunkle Schokolade, vielleicht glücklich.
00:11:58: Und wir lernen auf jeden Fall, welche Lebensmittel sicher sind, entweder von unseren Eltern oder durch Erfahrung.
00:12:07: Und wenn wir positive Erfahrungen mit einem auch bitteren Lebensmittel machen, dann stufen wir es als sicher ein.
00:12:15: Und das bedeutet auch, dass wir so einen bitteren Geschmack tolerieren, zum Teil sogar mögen.
00:12:23: Also das stellt uns aber die Evolution doch so ein bisschen ein Bein.
00:12:25: Also das gesundes Die bestimmte, also die Chico-Ree, ich kenne keinen Kind.
00:12:31: Da sagt ui, lecker, da kommt der Chico-Ree.
00:12:34: Den esse ich wahnsinnig gern, sondern es ist ja eigentlich sehr gesund.
00:12:38: Aber wir mögen es sagen eher mal bäh.
00:12:41: Und wir müssen uns dann quasi, wir müssen es lernen.
00:12:43: Also das ist ja quasi ein erlerntes, positiv empfinden von einem Lebensmittel, weil es dann eine vermeintlich gesunde Wirkung hat.
00:12:52: Das ist ja eher, dann läuft dann die Vermittlung über Wissen und nicht über den...
00:12:56: Das ist richtig.
00:12:57: Ich meine, Evolution sind immer sehr lange Zeiträume.
00:13:01: Und bis vor Kurzem in evolutionären Zeiträumen war es für uns einfach zum Beispiel wichtig, Energie zu finden.
00:13:10: Heute gehen wir in den Supermarkt und haben da Energie im Überfluss und müssen uns gar nicht mehr auf die Jagd machen oder irgendwelchen Aufwand betreiben.
00:13:21: Das, so schnell ist die Evolution nicht.
00:13:25: Das heißt, da sind wir mit unserem Geschmackssinn immer noch in der Vergangenheit.
00:13:31: Gibt es denn so ein Maß für Bitterstoffe?
00:13:33: Also, dass man sagt, es wird ja immer gemunkelt, Bitterstoffe wurden rausgezüchtet aus den Lebensmitteln, weil wir es eben nicht so mögen.
00:13:41: Aber haben wir denn, wenn wir denn wollten, genug Bitterstoffe in unserer Ernährung?
00:13:45: Ja, eigentlich schon.
00:13:46: Also es gibt ja immer noch bittere Lebensmittel und ich würde denken, dass die in ausreichender Maße vorhanden sind.
00:13:55: Also man muss jetzt nicht hingehen und Bitterstoffe wieder hineinzüchten.
00:14:00: Es ist tatsächlich auch so, dass aus einigen Lebensmitteln Bitterstoffe auch zu Recht herausgezüchtet wurden.
00:14:07: Da gab es vor einigen Jahren einen Fall eines Kleingärtners, der selbstgezogene zu Kini konsumiert hat.
00:14:16: Da haben sich eine unangenehme Sorte Bitterstoffe, Kuko-Bitazine wiedergebildet und der ist daran verstorben.
00:14:26: Also das ist tatsächlich nicht in jedem Fall rausgezüchtet, um uns ungesund zu machen.
00:14:32: Das
00:14:32: ist das, was auch noch in Zirkürbissen drin ist.
00:14:34: Deshalb sollte man dir nicht essen.
00:14:36: Genau.
00:14:37: Ist es dann auch okay, gar keine Bitterstoffe zu essen?
00:14:40: Jetzt mal übersetzt in seiner Nährungswissenschaftli.
00:14:42: Ist es ein essentieller Nährstoff?
00:14:43: Sind Bitterstoffe eigentlich nicht?
00:14:45: Also Senk- und Erdhoffernstoffe.
00:14:47: Also wenn man sie vermeiden könnte, was ich ausschließen würde, dann wäre das mit Sicherheit nicht gesundheitsschädlich.
00:14:58: Unter anderem frage ich als Frau, ich verbinde immer noch Bitterstoffe auch sehr mit dem Thema Abnehmen.
00:15:03: Das wird ja auch ganz oft so im Zusammenhang gebracht.
00:15:06: Ich erinnere mich auch immer noch an eine Filmszene, wo eine super schlanke, hübsche Frau meinte, nee, für mich zum Frühstück nur eine halbe Grapefruit.
00:15:12: Und seitdem dachte ich auch immer, Grapefruit sei das Wundermittel morgens, um irgendwie abzunehmen.
00:15:16: Haben Bitterstoffe denn irgendwie einen positiven Einfluss auf unsere Figur?
00:15:20: Werd ich ja auch immer wieder gefragt, da wär mir also quasi einer... Eine Stütze sehr hilfreich, wenn ich die Argumente hätte.
00:15:28: Es gibt da, wenn ich kurz anführen darf, ganz interessante Untersuchungen, die ich gelesen habe, beispielsweise Mäuse, die während einer Diät mit bitterstoffener sekundären Pflanzenstoffen gefüttert wurden, haben keinen Jojo-Effekt entwickelt.
00:15:45: Woran es liegt, konnte ich auch nicht so richtig rauslesen.
00:15:47: Ich glaube, das war in den Wissenschaftlern und Forschern auch nicht so richtig klar.
00:15:50: Aber gibt es da einen echten Zusammenhang, dass man mit Bitterstoffen abnehmen kann oder was wissenschaftlich fundiert ist?
00:15:59: Also es gibt zumindest Hinweise, die andeuten, dass zum Beispiel die Magenpassagezeit verlängert wird.
00:16:08: Und das würde halt bedeuten, dass wir uns schneller satt fühlen.
00:16:12: Da gibt es sehr zahlreiche Studien unter anderem an Nagetieren, die das zeigen.
00:16:19: Es gibt auch Studien, die zeigen, dass Bitterstoffe eine Appetit reduzierende Wirkung haben.
00:16:28: Aber auch das würde ich sagen, wir mal nicht für alle Bitterstoffe gleichermaßen sagen, sondern da kommt es wirklich drauf an, welche Bitterstoffe man zu sich nimmt.
00:16:39: Natürlich würde auch Strichnien letztendlich eine Appetit für immer.
00:16:45: Wir sind ziemlich terminal.
00:16:49: Dann hat man nie mehr Hunger.
00:16:52: Aber
00:16:53: welche wären das denn?
00:16:55: Also gibt es Bitterstoffe in Lebensmitteln?
00:16:58: die einen positiven Effekt auf die Sättigung haben.
00:17:03: Oder ist das die Wirkung, dass man einfach denkt, es kommt was Bitteres, es kommt was Toxisches, was Giftiges, ist?
00:17:10: mal bitte nicht so viel davon?
00:17:12: Ja, also ich würde sagen, bis zu weiteren Forschungen muss man davon ausgehen, dass es relativ universell ist, einfach, um eine weitere Aufnahme dieser Bitterstoffe zu unterbinden.
00:17:26: Ja, deswegen ist man also insgesamt weniger.
00:17:30: Okay,
00:17:31: dann gut.
00:17:31: Und dann habe ich wenigstens auch gelernt, dass es zum Abnehmen jetzt nicht unbedingt, man muss jetzt keine Bitterstoffe zu sich nehmen.
00:17:38: Also es hat jetzt nicht irgendwie so einen Effekt, dass man sagt, ist Bitterstoffe in der und der Menge und du hast eine Kalorieneinschränkung von XY am Tag.
00:17:47: Also diese... oder so, dann gibt es nicht.
00:17:49: Also ich denke, da müssen wir wirklich noch eine ganze Menge Forschung abwarten.
00:17:54: Und vor allen Dingen sollten wir die Bitterstoffe, wir reden da über mindestens ein tausend Stoffe, ganz unterschiedlicher chemischer Struktur, die dürfen wir nicht übereinkamischieren.
00:18:08: Tatsächlich, wie gesagt, es gibt Giftige, es gibt potenzielle Gesundheitsförderliche, es gibt Bitterstoffe, die sind synthetisch, also die kommen gar nicht in der Natur vor, darauf konnten wir uns niemals vorbereiten.
00:18:22: Und die können wir also tatsächlich nicht über einen Kamm scheren.
00:18:26: Und manchmal gibt es eben sehr unterschiedliche Auswirkungen einzelner Bitterstoffe.
00:18:33: Es gibt zum Beispiel Studien in Nagetieren, die sagen, wenn ein Bitterstoff praktisch im Magen-Darm-Trakt ankommt, dann wird Grelin ausgeschüttet.
00:18:45: Grelin ist ein Hormon, das uns hungrig macht, wäre eigentlich sehr überraschend, warum das von Bitterstoffen induziert werden sollte.
00:18:55: Das ist aber nur eine sehr kurze Wirkung für etwa eine halbe Stunde und danach singt die Nahrungsaufnahme tatsächlich ab.
00:19:04: Das sind also dann sicherlich andere Mechanismen, sodass man also insgesamt nach dieser ersten Hungerphase tatsächlich weniger Nahrung zu sich nimmt.
00:19:17: Und das ist ein einzelner Bitterstoff.
00:19:19: Das ist total spannend, finde ich, weil man sagt ja, irgendwie so nach dem Essen zur Verdauung und so, so einen Kümmerling oder so einen Kräuderschnapp.
00:19:31: Früher wurden ja tatsächlich viele Bitterstoffpflanzen eher oder Extrakte.
00:19:36: eingesetzt zur Verdauungsförderung und um den Appetit anzuregen.
00:19:40: Und das ist ja was, was jetzt wirklich völlig kontrovers ist, dass man eigentlich sagt, sie werden eingesetzt, dass man abnimmt.
00:19:46: Und das zeigt ja eigentlich auch diese Nagetierstudie, dass man eigentlich durch das Grelin sogar eine Appetitfördernde Wirkung zumindest kurzzeitig hat.
00:19:58: Ja, und ich denke mal beim bitteren Schnaps dürfen wir den Alkohol nicht vergessen.
00:20:04: Er ist der Hauptbestandteil und hat sicherlich auch Wirkung, die man nicht ignorieren sollte.
00:20:11: Darüber hinaus ist es eben häufig so, dass diese bitteren Verdauungsschnäpschen eine sehr komplexe Mischung aus einer Vielzahl von Bitterstoffen und auch anderen Stoffen darstellen, die zum Teil gar nicht mal genau analysiert sind.
00:20:30: und welcher Bitterstoff da jetzt was macht, das ist einfach noch unerforscht.
00:20:36: Also man könnte jetzt nicht spezifisch sagen, das Lebensmittel enthält diesen Bitterstoff, der uns weniger hungrig macht oder der enthält diesen Bitterstoff.
00:20:48: dass zu einer Appetit anregenden Wirkung führt.
00:20:51: Das waren immer Tinkturen, Elixiere in der Vergangenheit, die man da gebraut hat, um da eine Wirkung hervorzurufen.
00:21:00: Aber wissenschaftlich kann man das jetzt heute noch nicht so zuordnen.
00:21:03: Also dass man beispielsweise sagt, der Chico-Ree hat einen positiven Einfluss.
00:21:08: Auf die Sättigung, auf die Grelinausschüttung oder ein anderes Lebensmittel eben zur Appetitanregung.
00:21:13: Nee, also das ist wirklich in den selten Fällen so gut untersucht, dass man sich darauf verlassen kann.
00:21:21: Es gibt ein paar Einzelfälle, zum Beispiel waren wir an einer Studie beteiligt, wo man ein, und das wird der Biertrinker ganz gerne hören, wo man also eine Form von dem Hopfen-Bitterstoff abgeleitete Struktur genommen hat und damit in Mäusen tatsächlich erreichen konnte, dass ein bestimmtes Hormon aus dem Darm ausgeschüttet wurde, das positive Effekte auf Blutzuckerspiegel hat.
00:21:50: Aber das sind wirklich einzelne Fälle, wo dann wirklich die Forschung auch schon so weit ist, dass man ein Finger auf den Bitterstoff, auf den Rezeptor und auf den Effekt tatsächlich drauf tun kann.
00:22:05: Gut zu wissen, da muss ich mir ein paar Hopfenrezepte überlegen.
00:22:07: Aber was ist denn, was ist denn so deine Empfehlung?
00:22:10: Wie verbittert sollte unsere Ernährung denn sein?
00:22:12: Also gibt es da so ein gesundes Maß, wo du als Experte in dem Bereich hast, dass das eine gute Dosis.
00:22:20: Also ich glaube, das, das kann man nicht verallgemeinern.
00:22:23: Wir sollten auch noch ein, ein kleinen Aspekt ansprechen, dass nämlich nicht jeder Mensch gleich bitter schmeckt.
00:22:32: Ja, also wir unterscheiden uns genetisch durchaus.
00:22:36: Ich habe ja schon von diesen Kohlsorten gesprochen.
00:22:39: Es gibt einen Rezeptor, der ganz spezifisch auf die Bitterstoffe in Kohlsorten anspricht.
00:22:46: Und gerade dieser Rezeptor ist sehr ungleichmäßig in der Bevölkerung verteilt.
00:22:51: Das heißt etwa dreißig Prozent der Bevölkerung sind nicht in der Lage, die Bitterstoffe in coolen Sorten zu schmecken.
00:22:59: Und siebenzig Prozent schmecken diese.
00:23:03: Das
00:23:03: bestätigt doch die alte Weisheit mal wieder.
00:23:05: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, weil jeder tatsächlich auch etwas anders schmeckt.
00:23:11: Tatsächlich, dass es war und gerade bei Bitterstoffen.
00:23:16: ist dieser genetische Unterschied sehr häufig und es gibt noch weitere, die auch jetzt nicht ganz so häufig sind, aber die vorkommen.
00:23:26: Wenn wir also mit einer größeren Gruppe Personen am Tisch sitzen, die vielleicht auch nicht verwandt ist, dann würden natürlich die Vererbungsregeln da irgendwo ein Bayes reinbringen, dann ist es tatsächlich so, dass man sich über Bitter nicht streiten sollte.
00:23:44: Ja, aber wie man auf jeden Fall merkt, es ist noch ein sehr unerfosches Gebiet.
00:23:47: und Achim, du merkst, du bist auch nicht der Einzige, der in diesem Thema verbittert, wie du ganz am Anfang der Folge gesagt hast.
00:23:52: Aber ich fand es auf jeden Fall sehr, sehr, sehr, sehr spannend.
00:23:54: Vielen Dank, Herr Behrens, dass du heute über uns warst.
00:23:58: Ja, ja, genau.
00:23:58: Ich weiß, ich musste auch wieder reinkommen.
00:24:00: Nein, aber du hast uns ja noch ein kleines Highlight der Woche mitgebracht,
00:24:03: ne?
00:24:09: Also mein Highlight der Woche ist tatsächlich der Café.
00:24:14: Ohne den würde ich jetzt womöglich nicht hier sitzen.
00:24:20: Und ja, ich muss zugeben, also ich bin nicht nur, was Forschung angeht, tatsächlich ein großer Fan von Bitterstoffen.
00:24:29: Und dazu gehört natürlich ein schöner, starker schwarzer Kaffee.
00:24:34: Warum?
00:24:35: Ja, wir ... haben natürlich eine positive Wirkung von dem Koffein im Kaffee.
00:24:41: Das macht uns einfach wach.
00:24:43: Da können wir besser forschen und nicht nur das.
00:24:47: Das Koffein ist auch ein Bitterstoff.
00:24:48: Entschuldige, wenn nicht einmal so ein Wort zu sagen.
00:24:49: Koffein ist ein Bitterstoff, weil es in sehr hohem Menge in Kaffee vorhanden aktiviert.
00:24:56: Fünf unserer fünfundzwanzig Rezeptoren.
00:25:00: ist aber bei Weib nicht der einzige oder der stärkste Bitterstoff in Kaffee.
00:25:05: Da gibt es noch eine ganze Serie anderer Bitterstoffe, die eigentlich nicht sogar stärker sind.
00:25:11: Aber Koffein ist tatsächlich ein Bitterstoff.
00:25:15: Und der hat eine positive Auswirkung, insofern nicht nur, dass er dich wach macht und dich sitzen lässt hier und mit uns reden lässt, sondern gibt es eine andere positive Funktion.
00:25:24: Wie beispielsweise ist das ja angesprochen, Aktivierung der Verdauung, Säfte und so weiter, weil vermeintlich es könnte ja was kommen, was giftiges, was zerstört werden muss.
00:25:34: Ja, Koffein zum Beispiel gehört zu den Bitterstoffen, wo gezeigt wurde, dass die Magensäure-Sekretion angeriecht wird.
00:25:45: Das ist sicherlich nicht immer was Positives, wenn man mal an Sodbrennen denkt.
00:25:52: Aber wenn man zum Beispiel an die Inaktivierung von potenziell bakteriell kontaminenden Lebensmitteln denkt, ist das sicherlich nicht schlecht.
00:26:05: Deshalb trink auch ich immer darum Essen, egal in welchen Ländern einfach ein Espresso nachum essen.
00:26:12: Ich finde es ist auch mittlerweile so ein Lifestyle-Ding.
00:26:14: Ohne den Geruch vom Kaffee ist es auch einfach nicht
00:26:16: so.
00:26:16: Ja, du kannst dann den ganzen Straßen stehen, egal wo du bist, wenn das mal wieder die Zeit zulässt, Teilern, sonst wo.
00:26:22: Du kannst dir nichts holen, wenn du nach dem Kaffee trinkst, oder nicht so, das Risiko ist geringer zu müssen.
00:26:29: Okay.
00:26:29: Lass mal eine kleine Pause, Achim.
00:26:30: Wolltest du noch eine Frage stellen?
00:26:32: Ich hätte noch tausend Fragen.
00:26:34: Ich weiß, ich gänne dich doch nicht.
00:26:35: Ich weiß, wir sind hier in der Zeit.
00:26:36: Und so langsam lässt die Kaffeewirkung nach bei dem Mike Bairons.
00:26:41: Mensch, Mike, vielen Dank auf jeden Fall noch mal, dass du heute bei uns warst und ein paar Fragen klären konntest.
00:26:46: Es war wieder sehr, sehr spannend und hoffentlich bis bald.
00:26:49: Ja, vielen Dank.
00:26:50: Danke auch und tschüß.
00:26:52: Tschüß.
00:26:53: Und auch natürlich danke dir, Achim.
00:26:55: Es hat mal wieder sehr viel Spaß gemacht.
00:26:57: Und das war es auch schon, ihr Lieben von uns.
00:26:59: Und wenn euch die Folge gefallen hat oder ihr Menschen kennt, die das auch unbedingt hören sollten, empfehlt diesen Podcast gerne weiter oder verlinkt uns auch gerne mal in euren Stories.
00:27:08: Und wir hören uns nächste Woche.
00:27:10: Ist so.
00:27:19: Ciao.
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